rundbrief.jpg (6680 bytes)Rundbrief      June 1999

Israel – Bibi 1 : 0

Israelis sind gewohnt ihre politische Meinung und Begeisterung mit Auf-klebern auf ihrem Auto kundzutun. Ein Fußballfan hat das Ergebnis der Wahlen vom 17.5.99 so aufs Auto geklebt. Es stimmt, Bibi Netanayu, Ministerpräsidenten seit 1996, hat vom israelischen Wähler eine klare Niederlage bekommen, er wurde u.a. wegen seiner Zauderpolitik im Friedensprozeß abgewählt. Sein Gegenkandidat Ehud Barak hat mit 56 % der Stimmen gewonnen. Hoffentlich hat auch Israel als Ganzes gewonnen. Das muß sich erst noch herausstellen. Das Fehlen einer 5 % Klausel im israelischen Wahlgesetz fördert die Zersplitterung der Par-teien. Die 120 Sitze der Knesset ver-teilen sich nun auf 15 kleine Par-teien. Die erstmals vor 3 Jahren ein-geführte Direktwahl des Ministerpräsidenten schwächte die beiden früher großen Parteien. Barak hat das Problem, daß er zwar vom Wähler den Auftrag zur Regierungsbildung erhielt, sich aber im neuen Parlament nicht auf eine starke Partei stützen kann. Im Gegenteil, die Listenverbindung seiner Partei der Arbeit mit zwei kleineren Parteien hat nur 26 Sitze und damit 8 Sitze weniger in der Knesset bekommen, als die Arbeitspartei vorher allein hatte. Die Liste hieß „Ein Israel". Barak hat mit dieser Parole eines seiner wichtigsten Ziele ver-kündet, daß er die gespaltene israelische Gesellschaft zusammenführen will. Dies wird nicht leicht für ihn sein. Die Zersplitterung auf dem rechten Flügel hat u.a. Bibi Netanyahus Niederlage verursacht. Über Konflikte in der israelischen Gesellschaft haben wir u.a. im Rundbrief August 1998 berichtet.

Hoffen wir, daß der neue Regierungschef Israels seinem Volk ein guter Lenker und den verschiedenen Gruppierungen ein gerechter Mittler zwischen den auseinanderstrebenden Interessen und Zielen wird. Hoffen wir, daß er auch die berechtigten Interessen der arabischen Israelis, immerhin 20 % des Staatsvolkes, in seinen Plänen und seinem Handeln berücksichtigt. Das Streben der palästinensischen Bürger Israels nach Gleichberechtigung versucht ein kleines Dorf in Israel ehrlich zu verwirklichen, unsere Friedenssiedlung Neve Shalom / Wahat al Salam. Hoffen wir auch, daß Barak sein Versprechen, den Friedensprozeß energisch und erfolgreich fortzuführen, bald in die Tat umsetzen kann.

Familienwandertag der Schule

paul.jpg (51892 bytes)Am schulfreien Samstag, 1.5.99, nahmen Eltern und Kinder der Grundschule an einem Ausflug teil, den der Elternrat organisiert hatte. Man wanderte vom Dorf am Wald entlang hinunter zur Abtei Latroun, machte gemeinsam Picknick und ließ sich vom Abt durch das Kloster führen. Pater Paul sprach zu den Eltern und Kindern in Hebräisch und Arabisch und erklärte ihnen die 900 jährige Ordensgeschichte und die Geschichte des Klosters selbst

Das Erziehungssystem

entwickelt sich großartig. Es versorgt nun 220 arabische und jüdische Kinder aus dem Dorf und der Umgebung. In Krippe und Kindergarten sind zusammen 44 Kinder.

Die Grundschule hat in der 1.Klasse 40, in der zweiten 32, der dritten 43, der vierten 25, der fünften 19 und der sechsten 17 Schüler.

Ausbau der Schule

Der gute Ruf, den die Grundschule bei den Familien der Umgebung hat, macht erfreuliche Sorgen. Schon jetzt wird ein zusätzliches Klassenzimmer errichtet, um die dringendsten Probleme bei Beginn des neuen Schuljahres nach den Sommerferien zu lösen. Erfreulich ist, daß anstelle der früher kleinen Klassen (s.o.!) nun in den unteren Jahrgängen normale Klassenstär-ken vorherrschen.

Dies wird auf Dauer auch die Fortführung der Schule über die bisher letzte, die 6.Klasse, ermöglichen. Der große Zuspruch brachte aber auch große Unterbringungsprobleme mit sich. Durch Teilung des größten Saales durch eine Schiebewand, die Nutzung der Räume des Kindergartens und der Kinderkrippe, die andere Räume bekamen, hat man zunächst eine Zwischenlösung geschaffen. Im nächsten Jahr soll der Neubau eines weiteren Schulgebäudes neben dem bestehenden durchgeführt werden.

Wir wollen von Deutschland wieder unseren Beitrag zum Neubau leisten.

Tagung der Koordinatoren der Freundeskreise

agm99.jpg (58621 bytes)Vom 5. – 8.2.1999 trafen sich die Verantwortlichen der Freundeskreise aus den USA und Europa zu ihrer jährlichen Konferenz, um vom Dorf eine Rechenschaft über seine Arbeit und die Verwendung der erhaltenen Spenden zu bekommen und ihre Förderung miteinander abzustimmen. Die Tagung war gut vorbereitet. Jede Abteilung hatte einen schriftlichen Bericht vorgelegt und stand den internationalen Freunden ausführlich Rede und Antwort. Einer der Höhepunkte war am 6.2. ein Besuch der Abtei Latroun. Nach der Sonntagsmesse lud der Abt zu einem Gespräch ein. Pater Paul erklärte, daß er noch als Mönch schon bei der Gründung durch Bruno Hussar ein Freund des Dorfes gewesen sei und sich freue, daß spätere Mißverständnisse und Meinungsverschiedenheiten nun ausgeräumt seien. Er sei überzeugt, daß das Dorf und das Kloster in Zukunft gut zusammenarbeiten werden.

gaza99.jpg (69916 bytes)Am 8.2.1999 fuhr man zusammen mit Mitgliedern des Dorfes nach Gaza und sah u.a. die soziale Arbeit, die Mitglieder des Dorfes auf Initiative von Rayek dort unterstützen. Besonders erschütternd war die schrecklich triste Situation von Beduinenfamilien in einem Lager zwischen übel riechenden Teichen, in denen die gaza99a.jpg (21416 bytes)Abwasser aus dem Gazastreifen gesammelt werden. Ihr früheres Wohngebiet hatten sie wegen einer neuen Stadtplanung verlassen müssen. In einer schlichten Praxis, die mit Hilfe unserer Freunde dort errichtet wurde, gibt ein Arzt aus einem der UN-Flüchtlingscamps in seiner Freizeit den Kranken die nötigste medizinische Versorgung. Mit palästinensischen Politikern verschiedener Couleur besprach man auch deren Pläne der Konfliktüberwindung und der notwendigen Entwicklung des Gazastreifens. Für uns zwei Deutsche war es besonders schön, daß wir dabei Professor Dr. Fawaz Abu Sitta von der Universität Gaza trafen, der bei der Jahrestagung 1997 in Bendorf ein beeindruckendes Referat gehalten hatte.

Wir konnten uns in diesen Tagen von neuem überzeugen, daß unsere Spenden dort gut angewendet sind und die Friedensarbeit unserer Freunde intensiv weitergeht und schon Früchte trägt. Bei der Koordinierung der Unterstützung des Dorfes haben wir Deutsche als Schwerpunkte den Bau der neuen Unterkunft für die Volontäre übernommen und werden uns mit den amerikanischen Freunden um den Bau des 2.Schulgebäudes kümmern.

barbara_small.jpg (2366 bytes)Anlaufstelle im Friedensdorf

Seit Mai 99 hat der Verein der deutschen Freunde eine direkte Vertretung in Neve Shalom/Wahat al Salam. Barbara Meyer, Theologin und 1987/88 Voluntärin im Dorf, arbeitet jetzt im Team des Gästehauses mit, um die Kontakte zwischen deutschen Gruppen und der Dorfgemeinschaft zu vertiefen und besonders den Besuch von Jugendgruppen zu fördern. Sie schreibt:

"Seit ich dort Voluntärin war, habe ich die Entwicklungen dieser besonderen Dorfgemeinschaft mitverfolgt. Es hat sich viel verändert seitdem, neue Projekte sind entstanden und die Friedensarbeit ist immer vielfältiger und professioneller geworden. Mein Interesse ist es, Besuchern aus Deutschland einen Einblick in die verschiedenen Bereiche dieser Friedensarbeit zu vermitteln. Zur Zeit hospitiere ich in der Grundschule und in der Friedensschule um selber einen aktuellen, lebendigen Eindruck dieser beiden pädagogischen Institutionen zu gewinnen. Die binationale, bikulturelle und zweisprachige Pädagogik der Grundschule wird ständig verbessert und weiterentwickelt. In Israel beginnt man sich andernorts an diesem Erziehungsmodell zu orientieren - und ich bin der Meinung, daß viele Aspekte dieser Erziehung auch für den deutschen Kontext Anregungen enthalten. Die Friedensschule hat ein weites Spektrum von Begegnungsworkshops entwickelt. Den Schwerpunkt bilden weiterhin die Treffen von jüdischen und palästinensischen Jugendlichen. Besonders für Jugendgruppen aus Deutschland bietet diese Arbeit einen Anknüpfungspunkt, den Konflikt und den Friedensprozess besser zu verstehen. Viele Methoden der Konflikt - und Friedenspädagogik sind auch übertragbar auf andere Konflikte, Dialogsituationen und Fragen der Identität. Mein Ziel ist, Programme und Seminare für Besuchergruppen zu entwickeln, die sowohl viel Infor-mation als auch Diskussionsmöglichkeit bieten und die jeweils aktuelle Situation im Land und in NSh/WaS einbeziehen. Da sich diese Programme noch in einer 'Entwicklungsphase' befinden, interessiert mich, was Sie besonders interessiert! Ich freue mich über Anregungen, die Sie mir über die Geschäftsstelle des Vereins der Freunde in Deutschland zukommen lassen.

Da ich Theologin bin, und mich besonders mit Fragen des jüdisch-christlichen Dialogs beschäftige, bin ich auch daran interessiert, mit Gemeindegruppen oder anderen religiös Interessierten die Idee Bruno Hussars weiterzutragen, und das Miteinander der Abrahamsreligionen zu bedenken, Texte der verschiedenen religiösen Traditionen zu lesen und zu besprechen. Zusätzlich zur Doumia, dem Ort der Stille, ist in Neve Shalom auch ein Haus des Lernens geplant, um den Dialog zwischen den Religionen zu fördern.

Ich lade Sie herzlich ein, Neve Shalom / Wahat al Salam zu besuchen!"

                                                                                             Ihre Barbara Meyer

Leitungswechsel

Bei der Neuwahl der Schulleitung für die nächsten 3 Jahre kandidierte Anwar Daoud, seit 10 Jahren Verwaltungsleiter der Schule, nicht mehr für dieses Amt. An seine Stelle kam Boaz Kitain, bisher pädagogischer Leiter. Dieses Amt übernimmt nun Diana Shalufi-Rizek. In der ersten Stelle übergab ein palästinensisches Mitglied die Aufgabe an ein jüdisches, in der zweiten umgekehrt.

Feier- und Gedenktage in der Schule

Am 16.April wurde im Unterricht der nationale Gedenktag, der Unabhängigkeitstag Israels und Al-Nakba, die nationale Katastrophe der Palästinenser, behandelt. Zunächst gab es gemeinsamen Unterricht, dann trennten sich die jüdischen und arabischen Schüler zu getrennten Aktivitäten. Zur Zeit der Sirene waren die jüdische Kinder am Grab von Tom Kitain. die arabischen Kinder sprachen im Klassenzimmer über ihre Gedanken zu diesem Tag und sahen einen Film über 3 Brüder, Flüchtlinge eines zerstörten Dorfes, die heute getrennt in Deutschland und Nazareth leben. Anschließend trafen sich alle Schüler wieder zum Gedankenaustausch über ihre Erlebnisse und Erfahrungen und beendete den Schultag gemeinsam.

Der jüdische Feiertag von Shavuot und die christlichen Feiertage von Himmelfahrt und Pfingstenshavuot.jpg (24632 bytes) wurde von der Schule gemeinsam gefeiert. Christliche und jüdische Schüler hatten jeweils an ihren Feiertagen frei. Gemeinsam besprach man danach den Sinn der Feiertage. An El-Onsara, wie Pfingsten auf arabisch heißt, ist es in der Gegend Tradition Orte religiöser Bedeutung zu besuchen. Solche Stationen waren für die Kinder in der Schule aufgebaut. Shavuot, das jüdische Pfingstfest, hat mit der Weizenernte zu tun. Drei Beduinenfrauen, Mütter von Schulkindern, waren mit den Geräten und den Zutaten für das Backen des orientalischen flachen Brotes gekommen und ließen die Kinder beim Backen im Freien mitmachen. Die Brote wurden von allen gern gegessen. Der Tag bot für alle ein reiches interkulturelles Erlebnis, das allen die Schönheit der drei Feiertage vermittelte.

Ausflüge

In der ersten Juniwoche nahmen alle Klassen an Ausflügen von 1 bis 3 Tagen, je nach Jahrgang, zu verschiedenen Plätzen in Israel teil. Boaz erklärte den erzieherischen Zweck: „den Kindern zu helfen ihr Land zu entdecken und lieben zu lernen, zu lernen, wie sie sich auch unabhängig von den Eltern organisieren, wie sie miteinander Essen bereiten., soziale und andere Probleme überwinden, usw." Besonderer Wert wird bei den binationalen Ausflügen auf ein ausgewogenes Programm gelegt, das jüdische und palästinensische Plätze einschließt.

 Es soll die Schüler auf die unterschiedlichen Geschichten beider Völker aufmerksam machen, die mit den besuchten Plätzen verbunden sind.

Konzert in Ramle

Schüler der Grundschule besuchten am 25.5. die orthodoxe (christlich-arabische) Schule in Ramle, wo einige der Kinder des Friedensdorfes nach der 6.Klasse die Schule fortsetzen, und gaben dort eine Chor- und Musikdarbietung.

Lehreraus- und fortbildung

Anfang Mai nahmen Mitglieder des Lehrerkollegiums der Grundschule an einem Studientag zum Unterricht der arabischen Sprache in Tel Aviv teil. Die Schulen Tel Avivs unterrichten Arabisch für jüdische Schüler in der heute gesprochenen Form im Gegensatz zu anderen, die die literarische Sprache vermitteln. Ende Mai kamen zwei der Entwickler dieses Programms mit einer Gruppe von Schulleitern und Sprachlehrern zu einem Besuch der Grundschule ins Friedensdorf. Nach einem Rundgang durch die Schule mit Vorstellung des eigenen Unterrichtssystems blieben die beiden um die weitere Zusammenarbeit mit dem Lehrerkollegium zu besprechen. In diesem Schuljahr haben schon 13 Gruppen von Lehrern und Lehrerstudenten aus ganz Israel die Schule besucht. Viele von ihnen nahmen jeweils an einem Halbtagsprogramm teil. Das Sprachzentrum der Grundschule macht die Lehrer mit den hier geübten Methoden bekannt, um sie zu ermutigen, neue kreative und einfallsreichere Wege der Sprachvermittlung zu gehen. Es kann so zu einer Verbesserung des Arabisch-Unterrichts in ganz Israel beitragen.

Besuch der Gattin des israelischen Präsidenten.

reuma_small.jpg (2061 bytes)Frau Reuma Weizmann besuchte das Friedensdorf am
12.5.1999 in Begleitung ihrer Schwester, Frau Ruth Dayan,
die schon lange eine  treue Freundin des Friedensdorfes
ist. In der Schule und im Kindergarten sprach sie mit den
Kindern und Lehrern und ließ sich dann im Sprachzentrum
und in der Friedensschule die Arbeitsweise erklären. Das
große Interesse von Frau Weizmann an allem, was sie sah
und hörte, verlängerte den reuma3_small.jpg (2358 bytes)Besuch über die geplante Zeit.

Ins Gästebuch schrieb sie u.a.: „Ein Freund ist ein
Geschenk, das man sich selbst gibt. Bei euch ist das ein
Weg des Lebens – Feinde in wahre Freunde zu
verwandeln
. Mit Hochachtung und guten Wünschen"
                                                           Reuma Weizmann

                                                                                                                   Frau Weizmann
                                                                                                                  mit Schulkindern

Die neue Unterkunft der Volontäre

(s.Rundbrief August 97). Baubeginn ist erst nach Überschreibung des Geländes vom Kloster an das Dorf. So kann man das Genehmigungsverfahren verkürzen. Den größten Teil der voraussichtlichen Kosten haben wir aus Deutschland schon gesammelt, für den Rest bitten wir noch um Spenden.

Neues Gebäude für Public Relations

prbuilding_small.jpg (1581 bytes)Das P.R-Büro, das die für das Fortbestehen und die Entwicklung des Dorfes lebenswichtigen internationalen Kontakte pflegt, war bisher in einer baufälligen, viel zu engen Hütte untergebracht. Die Arbeitsbedingungen waren unzumutbar, wie wir uns bei verschiedenen Besuchen vergewissern konnten. Die Mitarbeiter nahmen daher oft, wenn möglich, die Arbeit mit nachhause. Nun wird ein ursprünglich für das Schwimmbad u.a. als Umkleide vorgesehenes Gebäude, das bisher nur im Rohbau stand, passend ausgebaut. Das Büro wird dann für alle Mitarbeiter ausreichenden Arbeitsplatz und allen Besuchern, die Informationen suchen, diese direkt am Eingang des Dorfes bieten können.

Die Friedensschule von Neve Shalom
/ Wahat al Salam

sfpfacil20699.jpg (49644 bytes)führte in den letzten Wochen viele Seminare, Studientage und Kurse u.a. für Schüler, Studenten, Lehrer, Dozenten und Journalisten durch, sowie Jugendbegegnungen zwischen arabischen und jüdischen Teilnehmern, u.a. (ein Ausschnitt):

am 15. April einen Auswer-tungstag für jüdische Studenten und Studenten aus den palästinensischen Gebieten, die vor-her an einem internationalen Sechswochenprogramm in Oslo teilgenommen hatten;

vom 23.-24.4. gab es in Neve Shalom/Wahat al Salam einen workshop für die Teilnehmer aller Kurse, die die Friedensschule an vier Universitäten des Landes durchführt. 60 Studenten und 8 Fakultätsmitglieder nahmen an der Arbeitstagung teil;

vom 25.-27.4. gab es eine von der Friedensschule moderierte Jugendbegegnung zwischen Schülern von Oberschulen in Taibeh und Misgav;

später eine weitere mit 61 Schü-lern von Misgav und Nazareth;

eine Gruppe der jüdischen Habonim Jugendbewegung kam im Mai zu einer Studien- und Begegnungswoche mit Exkursionen nach Jaffa, Jerusalem (u.a. zum Orienthaus) und zum Negev. Dann trafen sie palästinensische Studenten der Universitä-ten in Bir-Zeit und Ostjerusalem.  Wellesley Aron, einer der ersten Mitglieder des Friedensdorfes, war Gründer der Habonim-Bewegung in Britannien.

Die Friedensschule beteiligte sich in der letzten Zeit an vielen wichtigen nationalen und internationalen Veranstaltungen im In- und Ausland.

Probleme hatte sie im vergangenen Jahr u.a. mit den immer wieder kurzfristig angesetzten Streiks der Lehrer gegen die Begleitung von Schülern bei außerschulischen Veranstaltungen. Wenn sich nicht Eltern fanden, die statt dessen die Begleitung übernahmen, fielen die Treffen überraschend aus, dies auch zum Schaden des Gästehauses.

Bei den in Zusammenarbeit mit Palästinensischen Organisationen und Israelischen Universitäten durchgeführten Begegnungen für Studenten aus Israel und der palästinensischen Selbstverwaltung war es oft sehr schwer Einreisevisa für die palästinensischen Teilnehmer zu bekommen. Diese brauchten eine sehr hohe Motivation für ihre Teilnahme wegen der israelischen Politik, die darauf ausgerichtet ist, Palästinenser durch alle möglichen Schikanen und Demütigungen vom Grenzübertritt abzuschrecken.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse im Kuratorium unseres Vereins

Der Bundestag hat nach den letzten Bundestagswahlen Herrn Wolfgang Thierse, SPD, zum neuen Präsidenten gewählt. Der neue Bundestagspräsident hat wie schon seine Vorgängerin in diesem Amt, Frau Professorin Dr. Rita Süßmuth, CDU, unsere Einladung, Mitglied unseres Kuratorium zu werden, angenommen. Herr Thierse kennt Neve Shalom/Wahat al Salam schon von der Verleihung des Moses-Mendelsohn-Preises 1992, den er am 6.9.1992 in Berlin zusammen mit unserer früheren Vorsitzenden Dr.Charlotte Schiffler erhielt. Der Preis wird zur Förderung der Toleranz gegenüber Andersdenkenden und zwischen den Völkern, Rassen und Religionen verliehen. Der Preisträger paßt also gut zu unserem Anliegen. Er hat damals in seiner Dankrede u.a. ausgeführt: „Es ist die Achtung der Würde und der Freiheit des Anderen, die uns zur Toleranz verpflichtet, und es ist diese Achtung, die die eigene Würde und Freiheit empfinden und erfahren läßt, wenn sie diese Würde nicht überhaupt erst begründet und die Freiheit erst ermöglicht..... Da Toleranz eine zivilisatorische, eine politische Tugend, ein Moment von Kultur ist, wird sie nicht in den Schoß gelegt, sondern muß erlernt, muß erarbeitet werden – offensichtlich immer neu...Das aber ist ebenso wenig eine Sache nur der Politiker wie das immer wieder neue Erlernen der Fähigkeit, Konflikte auszuhalten und friedlich auszutragen."

Thierse hat sich damals vor allem an uns Deutsche gewandt, es gilt aber auch für unsere Freunde im Friedensdorf.

Bücherschau

Wir wollen zwei Bücher vorstellen, die das Gebiet unseres Interesses und unserer Sympathie behandeln:

Friedenspädagogik in Israel

von Dr. Ulrike Wolff-Jontofsohn
(DIAK-Band 33 Wochenschau-verlag, Schwalbach, 1999)

Sehr zu empfehlen ist die Lektüre einer zu diesem Thema gerade neu veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeit. Nach einer gründlichen Behandlung der Geschichte des palästinensisch-israelischen Konflikts und der innerisraelischen Konfliktfelder als Friedenshindernisse stellt sie als Friedensarbeit in Israel die Beiträge nichtstaatlicher Gruppen zur Bewältigung politischer und gesellschaftlicher Konflikte vor.

Sie mißt dabei alle von ihr in Israel untersuchten pädagogischen Institutionen immer wieder an der Friedensschule von Neve Shalom / Wahat al Salam, der sie die größte Kompetenz und Qualität der Arbeit zubilligt. Sie schreibt, daß die Friedensschule von Neve Shalom / Wahat al Salam für die anderen auf dem gleichen Feld tätigen Organisationen Vorbildfunktion hat. "Über die in Neve Shalom/Wahat al Salam geschulten Kursleiter finden die Methoden und Grundsätze der Friedensschule in den verschiedenen Organisationen Verbreitung" (S.184) "wurden die methodisch-didaktischen Prinzipien von Neve Shalom / Wahat al Salam häufig als Maßstab für die eigene Arbeit angesetzt" (S.185). Bei der ausführlichen Behandlung z.B. von Givat Haviva schreibt sie u.a. „das verwendete Kursmodell wurde 1982 in Zusammenarbeit mit Neve Shalom / Wahat al Salam neu konzipiert"; "drei der zehn Mitarbeiter waren in Neve Shalom / Wahat al Salam ausgebildet worden" (s.275). Als strukturellen Mangel in Givat Haviva empfindet sie "Die nach dem Zufallsprinzip zusammengestellten binationalen Gruppen arbeiten mit nur einem Leiter. Kurssprache ist in der Regel das Hebräische. Anders als in Neve Shalom/Wahat al Salam muß der Kurs, auch wenn eigentlich ein binationales Leitungsteam das pädagogisch sinnvollere Setting wäre, sich mit einem entweder jüdischen oder arabischen Leiter begnügen, ein Umstand, der den Kursverlauf entscheidend prägt ..... Die Kurse wiederholen also die real existierende sprachliche Benachteiligung" (S.274) usw.

Neben der Genugtuung über die gute Beurteilung unserer Friedensschule - die Autorin ist nicht Mitglied unseres Vereins - gibt das Buch auch allgemein gute Information über die Notwendigkeit, in Israel mehr für Friedenserziehung zu tun, und die bisherigen Bemühungen von verschiedenster Seite dazu.

Der Nahost-Konflikthistorisch-politisch-literarisch

von Dr.Harald Neifeind (DIAK-Band 34 im Wochenschauverlag 1999)

Der Autor hat sein Buch Studierenden der Universität Göttingen und der TU Braunschweig gewidmet, an denen er für Geschichte und ihre Didaktik wirkt. Es ist aber für alle, die sich für die Geschichte Israels und Palästinas interessieren, ein interessantes Lesebuch. Vor allem für Lehrer oder Mitarbeiter der außerschulischen Jugendbildung bie-tet das Buch reichlichen Stoff, der pädagogisch gut aufgearbeitet ist. Es gibt der historischen und aktuellen Situation, der israelischen und der palästinensischen Sicht des Konflikts und dem festzustellenden Wertewandel in der israelischen Gesellschaft Raum und läßt auch die vom Konflikt betroffenen Menschen zu Wort kommen. Dies geschieht u.a. durch Zitierung sowohl historischen Quellenmaterials als auch dessen literarischer Bearbei-tung durch zeitgenössische Autoren. Eindrucksvoll gelingt ihm z.B. im Kapitel vom Land und von der Eroberung der Arbeit die Gegenüberstellung der zionistischen Idee mit den Folgen, die das für die Existenz der Palästinenser in ihrem Heimatland hatte. Die ursprüngliche Zielsetzung, die Identität des Diasporajuden zum neuen Juden, dem wehrhaften mit eigener Hand arbeitenden Bauern, umzuformen, ist inzwischen verloren gegangen. Die widerrechtliche Landenteignung, die Siedlungspolitik und die ungerechte Wasserverteilung sind heute große Hindernisse im Friedensprozeß zwischen Juden und Palästinensern. Daß der Schluß „Brücken" wenig Raum, auch keinen für Neve Shalom/Wahat al Salam hat, ist bedauerlich. Davon abgesehen ist das Buch eine gute Ergänzung der Schilderung von Rayek Rizek, Sekretär im Friedensdorf, im letzten Rundbrief.

Die Verhandlungen mit dem Kloster Latroun

sind fast abgeschlossen. Das Ergebnis: etwa die Hälfte des bisher vom Kloster in Erbpacht gegebenen Landes erhält Neve Shalom/Wahat al Salam geschenkt, die andere Hälfte erhält das Kloster zur eigenen Nutzung zurück. Die Anwälte beider Parteien sind noch an der Arbeit, um alle eventuellen Mißverständnisse und Gründe für spätere Streitigkeiten von vornherein auszuschließen und um die günstigste Form der Übertragung zu finden, damit nicht zu viel Steuern und Gebühren fällig werden.

Veranstaltungshalle

Die für größere Ereignisse schon lange fehlende Halle wird nun aus modernen leichten Baumaterialien errichtet. Amerikanische Freunde haben das Geld dafür gegeben. Ab August wird das „Eisenberg-Auditorium" mit 400 Sitzplätzen in der Nähe des Schwimmbades allen Abteilungen, u.a. Friedensschule, Hotel und Grundschule zur Verfügung stehen.

Mitgliederversammlung

Am 4.9.1999 um 19.30 Uhr findet im Hedwig-Dransfeld-Haus in Bendorf die jährliche Mitgliederversammlung unseres Vereins mit Rechenschaft des Vorstandes statt. Wir laden alle Mitglieder herzlich ein!

Die Jahrestagung

findet vom 3. - 5.9.1999 im Hedwig-Dransfeld-Haus Bendorf statt zum Thema:

„50 Jahre Israel – 50 Jahre Bundesrepublik Deutschland – Minderheiten dort und hier"

Wir werden uns bei der Jahrestagung 1999 u.a. damit beschäftigen, welche Entwicklung die vor einem halben Jahrhundert neugegegründeten Staaten Israel und Deutschland für sich selbst, zu den Menschen, die dort leben, und zueinander genommen haben.

Vor über 5 Jahrzehnten haben im vom Krieg verwüsteten Deutschland Menschen die Trümmer beseitigt und die Städte wieder aufgebaut. Die von den Nationalsozialisten, ihrem Größenwahn und Rassenhaß, der zum Völkermord geführt hatte, zerstörte politische Ordnung wurde durch das Grundgesetz auf eine neue Grundlage gestellt. Das damals von den Alliierten besetzte, seit 10 Jahren wiedervereinte Deutschland wirkt heute in Europa und den UN als wichtiges Mitglied mit. An die Stelle der Losung, die ins Verderben führte „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!", gilt heute für alle Menschen, die bei uns leben, das Grundgesetz. Sein Bekenntnis zur unantastbaren Würde des Menschen und den unverletzlichen und unantastbaren Menschenrechten (Artikel 1) wird in Artikel 3, erläutert: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Bei der Umsetzung dieser hohen sittlichen Forderungen in das alltägliche Leben können wir uns auch die Erfahrungen unserer Freunde in Israel zu Nutze machen.

Die wechselseitige Verbesserung des Verhältnisses der jüdischen Mehrheit zur arabisch/palästinensischen Minderheit in Israel steht im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit von Neve Shalom / Wahat al Salam. Wir wollen uns nicht nur mit Spenden an der Friedensarbeit beteiligen, sondern auch von ihr für unseren Umgang mit Minderheiten in Deutschland lernen.

Wie in jedem Jahr werden wir uns mit Hilfe von ausgezeichneten Referenten aus Israel, Palästina und Deutschland mit der Problematik auseinandersetzen und in Arbeitsgruppen dazu unsere eigenen Beiträge erarbeiten.  Das Programm geht nach Anmeldung zu.

A N M E L D U N G

Zur Tagung der Freunde von Neve Shalom / Wahat al Salam e.V. vom 3.-5.9.1999 in Bendorf bei Koblenz melde ich mich an. Ich möchte übernachten:

checkbox.gif (881 bytes)  im Zweibettzimmer im Haupthaus (Dusche/WC auf der Etage) für DM 135,-

checkbox.gif (881 bytes)  im Einzelzimmer im Haupthaus (Dusche/WC auf der Etage) für DM 145,-

checkbox.gif (881 bytes)  im Zweibettzimmer im Martinshaus (mit D/WC) für DM 158,-

checkbox.gif (881 bytes)  im Einzelzimmer im Martinshaus (mit D/WC) für DM 188,-

checkbox.gif (881 bytes)  im Mehrbettzimmer für Schüler, Studenten, Erwerbslose für DM 100,-

checkbox.gif (881 bytes)   möchte teilnehmen, ohne im HDH zu übernachten, für DM 90,-

checkbox.gif (881 bytes)   Teilnahme ohne Übernachtung für Schüler, Studenten, Erwerbslose für DM 70,-

Den Tagungsbeitrag (mit Vollverpflegung) überweise ich bis 20.8. auf ein Konto des Vereins. Die Zimmer werden nach Eingang der Anmeldung und Möglichkeit vergeben.

Name:...............................................................................

Anschrift:..........................................................................

.........................................................................................

Tel/Fax:................................

Datum:.........................

Unterschrift

Zutreffendes bitte ankreuzen und die Anmeldung an die Geschäftstelle (s.u.!) senden! Wer seine Anschrift nicht in der ausgelegten Teilnehmerliste haben möchte, möge dies bei der Anmeldung angeben.  

 

Tagung der Freunde von
 Neve Shalom / Wahat al Salam e.V.

3.-5. September 1999 im Hedwig-Dransfeld-Haus Bendorf
Im Wenigerbachtal 8, 56157 Bendorf/Rhein, Tel: 02622-7020, Fax: 702377

"50 Jahre Israel – 50 Jahre
 Bundesrepublik Deutschland,
Minderheiten dort und hier“

Programm (Stand 25.7.99)

Freitag, 3.9.1999
bis
17.30 Anreise
18.30 Begrüßung - Abendessen
19.30  

50 Jahre Bundesrepublik Deutschland“ Frau Professorin Dr. Susanne Miller, Bonn, gibt einen Rückblick auf die Zeit des demokratischen Aufbaus nach der mörderischen Zerstörung Europas und der Vernichtung der Menschenrechte und Demokratie in Deutschland durch Deutsche unter Führung der Nationalsozialisten. Damit wird auch die Ausstellung „Unter Vorbehalt. Rückkehr aus der Emigration nach 1945“ eröffnet. Erörterung im Plenum, Fortsetzung der Diskussion in Kleingruppen

 

Samstag, 4.9.1999
8.30 Frühstück
9.00 „Wie sehen jüdische Israelis ihre nichtjüdischen Mitbürger?-Erfahrungen aus der Arbeit der Friedensschule“ Nava Sonnenschein M.A., Gründerin und Leiterin der Friedensschule von Neve Shalom/Wahat al Salam - Diskussion
10.30 Pause
10.45 „Minderheiten in Israel und Palästina am Beispiel und aus der Sicht der einheimischen Christen“ Lutfi Laham, griechisch katholischer Erzbischof von Jerusalem, - Diskussion
12.30 Mittagessen
14.00 "Minderheiten in Deutschland“, N.N. - Diskussion
15.30 Kaffeepause
16-17.45 Arbeitsgruppen zu den angesprochenen Themen
18.00 Abendessen
19.00 Rundgang durch die Ausstellung Unter Vorbehalt. Rückkehr aus der Emigration nach 1945
20.45 Lesung aus dem Buch „Fatimas Träume“ und von anderen passenden Erzählungen

 

Sonntag, 5.9.1999
8.30 Frühstück
9.00 Gottesdienst im griechisch-katholischen Ritus, Erzbischof Lutfi Laham, Jerusalem
10.30 Kaffeepause
10.45 Berichte aus den Arbeitsgruppen
11.45 „Ist der Friedensprozeß wieder auf dem Weg?" Podiumsdiskussion mit Dr. Susanne Miller, Nava Sonnenschein, Lutfi Laham und George Khoury
12.30 Mittagessen
13.15 "Was können wir von der Friedensarbeit in Israel/Palästina für unsere Arbeit in Deutschland lernen?" Podiumsdiskussion mit den gleichen Teilnehmern, dazu Hermann Sieben
14.15 Auswertung der Tagung
14.45 Ende der Tagung

 

 

© 1999 Verein der Freunde von Neve Shalom/Wahat al-Salam
e.V. Geschäftstelle: Sonnenrain 30, 53757 Sankt Augustin.

Revised: 16-Dec-2001.