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Entstehungs- geschichte von Neve Shalom / Wahat al Salam

Sonntag 4. November 2001

NS/WS wurde von Bruno Hussar gegründet. Die Idee eines Dorfes, in dem alle drei Konfessionen der `Kinder Abrahams` in Frieden zusammen leben sollten, wuchs in ihm schon in den sechziger Jahren, als er von seinem Dominikanerorden nach Jerusalem geschickt worden war, wo er zu seinem Missfallen erlebte, dass alle seine eigenen Identitäten in Jerusalem im Konflikt miteinander lebten. In Ägypten geboren und dort in einer jüdischen Familie aufgewachsen emigrierte er mit 19 Jahren nach Frankreich, wo er zum Christentum konvertierte und Dominikanerpriester wurde.

Jahre, nachdem die Idee in ihm gewachsen war, stellte ihm das Trapistenkloster Latrun, das halbwegs zwischen Jerusalem und Tel Aviv liegt, den Hügel zur Verfügung, auf dem heute NS/WS liegt. 1970 zog er mit einer kleinen Gruppe von Freiwilligen auf den kargen Hügel. Das erste Haus war ein alter Bus. Als eigentliches Dorf mit festansässigen Einwohnern begann NS/WS nach 1977, nachdem sich aus einem Arbeitslager, das in NS/WS stattfand,eine Kerngruppe aus jüdischen und palästinensischen Leuten bildete und auf den Hügel zog. Obwohl die Gruppe aus Christen, Juden und Moslems bestand, wurde der Schwerpunkt vom religiösen Nebeneinander auf das Zusammenleben von den beiden Nationalitäten, Juden und Palästinensern, verlegt. Die Dorfgemeinschaft wollte ein Vorbild werden für die Gleichberechtigung beider in Israel lebenden Bevölkerungsgruppen, wollte demonstrieren, wie es möglich ist, im selben Dorf friedlich zusammen zu leben, indem jeder seine eigene Identität bewahrt und die des anderen kennenlernt und respektiert. Jede Branche von NS/WS sollte entweder gleichzeitig oder abwechselnd von einem jüdischen und einem palästinensischem Team und Leiter geleitet werden.

Bald nachdem die ersten Dorfbewohner auf den Hügel zogen, wurde der erste zweisprachige, binationale und trireligiöse Kindergarten im Land in NS/WS gegründet. Auf den Kindergarten folgte bald darauf die Primarschule. In den ersten Jahren diente die Primarschule nur den Kindern vom Dorf, ein paar Jahre später wurde sie auch für jüdische und palästinensische Kinder aus der Umgebung geöffnet und wurde vom Staat als überregionale Experimentschule anerkannt.

Seit 1979 gibt es in NS/WS die Friedensschule, welche die Idee vom gleichberechtigten, friedlichen Zusammenleben auf pädagogischem Weg weitertragen will. Anfangs führte die Friedensschule Begegnungsworkshops für Jugendliche durch, mit den Jahren hat sie ihre Aktivitäten auf zahlreiche weitere Bevölkerungsgruppen erweitert und gilt heute in der ganzen Welt als die Avantgarde der Friedenspädagogik.

Eines der ersten Gebäude in NS/WS war die Jugendherberge, welche in den späten 70er und in den 80er Jahren vor allem den Begegnungsworkshops der Friedensschule diente. In den späten 80er Jahren wurde die einfache Jugendherberge zu einem schönen und bequemen Gästehaus ausgebaut, welches sowohl den Aktivitäten der Friedensschule dient, aber auch mit seinen Versammlungsräumen ein bequemes zentral gelegenes Kongresszentrum geworden ist. Einzelne Gäste und Gruppen vom In- und Ausland können in NS/WS in einer alternativen friedlichen Atmosphäre ihre Ruhetage verbringen.

In seiner ersten Vision von NS/WS sah Bruno Hussar ein dreiteiliges Gebetshaus, das unter einem Dach eine Kirche, eine Synagoge und eine Mosche beherbergen sollte. Nachdem er von einem atheistischen Mitglied von NS/WS gefragt wurde, ob auch er als Atheist ein Plätzchen im geplanten Gebetshaus bekommen könnte, wurde der Plan geändert und anstatt einem dreiteiligen Gebetshaus entstand die Doumia Sakinah, das Haus des Schweigens, denn Schweigen ist die gemeinsame Sprache aller Religionen.

Seit seiner Gründung wird NS/WS von Freunden aus aller Welt unterstützt. Ein Netz von Freundschaftsorganisationen in 13 verschiedenen Ländern unterstützt die pädagogischen Friedensbemühungen von NS/WS.

Seit seinem jahrelangen Kampf ums Überleben in den ersten Jahren der Dorfgründung hat das Dorf und seine Institutionen internationale Anerkennung gewonnen, welche mit zahlreichen internationalen Preisen gewürdigt wurde. Unter vielen anderen Auszeichnungen erhielt das Dorf den Kreisky Preis, die Buber Rosenzweig Medaille, den japanischen Niwano Preis und wurde zwei Mal zum Friedensnobelpreis nominiert.


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