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No. 17

2000, von Evi Guggenheim Shbeta

Liebe Freunde in der Schweiz,

Die Al Aksa Intifahda

Während den intensiven Oktober Unruhen wurde ich von jüdischer Seite oft gefragt, wie es denn bei uns in NS/WS sei, ob auch bei uns die Araber Steine auf die Juden werfen würden. Ich war über das blosse Aufbringen der Frage sehr vor den Kopf gestossen und es wurde mir wieder einmal mehr klar, wie stark unsere gegenseitige Verpflichtung zum friedlichen Zusammenleben auch in Krisenzeiten ist. Angesichts dieser Ereignisse fanden wir uns von neuem in unserer Ansicht bestärkt und vereint - in einer Zeit, in der es fast als undenkbar schien, dass Juden und Palästinenser in Frieden zusammenleben, können wir tagtäglich zeigen, dass ein Zusammenleben möglich ist.

Auch während dieser akzentuierten Krise hat unsere Primarschule nicht einen einzigen Tag ausgesetzt. Als man in den Medien kaum sagen durfte, dass man noch an ein friedliches Zusammenleben glaubt, wuchs zunehmend das Interesse an uns, und schliesslich waren fast überall Berichte über uns zu finden, als Zeichen, dass es auch in dunklen Zeiten des jüdisch palästinensischen Konfliktes einen Ort gibt, der NS/WS heisst und in dem auch in dieser schwierigen Periode das friedliche Zusammenleben wie selbstverständlich weitergeht.

Während eine Reihe von Friedensorganisationen wie zum Beispiel die Peace Now Bewegung in den ersten Wochen der Al Aksa Intifahda durch die Ereignisse wie gelähmt waren, haben wir hier in NS|WS eine aktive Rolle der Koordination der Friedensbewegungen übernommen.

Aus der Primarschule

Eines Tages, im Oktober, kam Mai, meine älteste Tochter, die jetzt schon in der vierten Klasse ist, von der Schule heim und sagte zu mir: "Mami, weisst Du, in der Pause haben wir gespielt, dass sich Juden und Palästinenser bekämpfen. Alle Mädchen haben die Juden gespielt und alle Buben die Paläsinenser. Am Anfang haben wir uns gegenseitig beschimpft und dann haben wir uns mit Tannenzapfen beworfen". Ich fragte Mai, ob jemand sich dabei weh gemacht hätte. Mai: "Nein, nein, wir haben so geworfen, dass es sicher niemanden trifft." Dies ist ein Beispiel, wie sich unsere Kinder hier in der Schule mit der Intifahda auseinadersetzen und die Problematik - spielend - verarbeiten. Wohlvermerkt, in der Bubengruppe wie auch in der Mädchengruppe waren sowohl Juden wie auch Araber, so dass sich die "Kampfgruppen" nicht in Juden und Araber aufteilten, etwas sicher Typisches für NS/WS.

Wir können nach diesen konfliktgeladenen Monaten feststellen, dass die Schule mit der ganzen Problematik gut fertig wird und wieder einmal mehr bewiesen hat, dass unser System auch in schwieriger Krisenzeit standhält. Wir wurden gebeten, unsere Erfahrungen auch an die gemischte Schule von Misgav in Galiläa und dem binationalen YMCA Kindergarten in Jerusalem weiterzugeben.

Kürzlich haben wir nach intensiven Bemühungen die Anerkennung als öffentlich anerkannte Schule erhalten, was langfristig sehr bedeutungsvoll für uns ist, da nun endlich die Lehrersaläre vom Staat bezahlt werden. Trotzdem wird unser finanzielles Problem der Schule nicht gelöst werden, da der Schlüssel, nachdem das Erziehungsministerium die Lehrkräfte berechnet, für uns lange nicht ausreicht, da wir für unseren binationalen und zweisprachigen Unterricht praktisch eine doppelte Anzahl von Lehrern brauchen.

Aus der Friedensschule

Anfang November hätte der erste Workshop mit Jugendlichen seit dem Anfang der Intifahda stattfinden sollen. Kurz davor erfolgte ein Bombenanschlag in einer jüdischer Stadt, worauf die Eltern der arabischen Schüler Befürchtungen ausprachen, ihre Kinder zu Juden zu schicken, die vielleicht auch Rachegefühle hätten. Für die jüdischen Schüler war es sehr schwer zu begreifen, dass die arabische Seite Angst hatte, in ihrer Auffassung hätten doch nur die Juden von den Arabern etwas zu befürchten. Das war eine gute Lehre. Seither haben wir nun neben zahlreicher uninationaler Arbeit wieder einige binationale Workshops durchgeführt, sowohl mit Jugendlichen wie auch mit Erwachsenen.

Ein sehr wichtiger Schritt für die Friedensschule ist die Herausgabe des Buches : "Identitäten im Dialog", das die 20 jährige Erfahrung der Friedensschule zusammenfasst. Das Buch von Rabach Halabi, dem langjährigen Mitarbeiter der Friedensschule, bisher auf Hebraeisch und Arabisch herausgegeben, wird in Kürze auch auf Englisch, Französisch und Deutsch erscheinen. Noch ein persönliches Wort zu den Wahlen: Ich hoffe sehr, dass sich Sharon als Premier-minister tatsächlich und zielstrebig mit der Friedenssuche beschäftigen wird, wie er es in seiner Wahlkampagne versprochen hat, und wir sind gerne bereit, ihm in unserem kleinen aber wichtigen Rahmen zu zeigen, wie man das In-Frieden-Leben tagtäglich praktiziert.

Schalom, Salaam

Von Eurer Evi .


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