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No. 19

Juli 2001, von Evi Guggenheim Shbeta

Liebe Freunde in der Schweiz,

Mali, meine langjährige Freundin kam mich vor einer Woche, nachdem sie schon einige Wochen nicht mehr bei mir war, besuchen. Der Tag war sehr heiss, und wir beschlossen ins Schwimmbad zu gehen. Nach kurzer Zeit sagte Mali zu mir: Weisst Du, Evi, ich bin ja bei Euch hier in NS/WAS wie zu Hause. Niemals fällt es mir auf, dass Ihr hier Juden und Palästinenser zusammen seid, ganz natürlich kommt es mir vor, so dass ich das gar nicht beachte; heute ist es zum ersten Mal, dass ich mir selber plötzlich sagte: da sind ja Juden und Palästinenser zusammen.....das zeigt nur, dass ich das nicht mehr selbstver-ständlich finde und dass die Situation in unserem Land wirklich an einen noch nie dagewesenen Tiefpunkt geraten ist.

Diese kurze Episode bezeichnet dieses so schwierige Jahr punkto jüdisch-palästinen-sischen Beziehungen. Wenn ich in der Schweiz bin und über die Bedeutung des Namens Neve Shalom/Wahat As-Salam gefragt werde, gebe ich immer zwei Bedeutungen: Neve/Waha kann sowohl Oase wie auch Quelle heissen. Mir ist die Übersetzung Quelle viel lieber. Leider sind wir im letzen Jahr viel zu sehr zu einer Oase geworden, eine Oase in einer so schwierigen Realität in jüdisch palästinensischen Beziehungen in Israel/ Palästina. Wenn ich in jüdischer Umgebung gefragt werde, wo ich wohne und sage, ich wohne in NS/WAS, einem Dorf, wo Juden und Palästinenser zusammen leben und wer-ken, werde ich in letzter Zeit ganz komisch angeschaut. Entweder man glaubt mir kaum, dass es so etwas noch gibt, oder man sagt mir: Ah ja, wir haben davon gehört, hast Du keine Angst? Wir haben gehört, dass auch bei Euch die Araber Steine auf die Juden werfen... Selbst wenn ich erkläre, dass bei uns das gemeinsame Leben ganz natürlich und selbstverstänlich weitergeht, will man mir kaum glauben.

Auch von der Schweiz her habe ich Gerüchte vernommen, die verbreiteten, dass die jüdischen Familien NS/WAS verlassen hätten...Anscheinend ist es einfach schwer zu fassen, dass hier das tägliche Zusammenleben ganz selbstverständlich weitergeht. Das heisst nicht, dass wir von den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Palästinensern nicht betroffen sind, aber sie haben unseren Willen zum Zusammenleben kaum beeinträchtigt. Niemand hat unser Dorf verlassen, im Gegenteil - wir bekommen auch heute immer wieder Anfragen, ob man zu uns wohnen kommen kann.

Die Aktivitäten der Friedensschule wurden stark von der Al Aksa Intifada beeinträchtigt. Etwa die Hälfte der geplanten Begegnungsworkshops wurde von jeweils einer Seite abgesagt. Der Hauptgrund war Angst, sich mit der anderen Seite zu treffen, Angst zum Teil der Eltern, zum Teil der Schüler oder der Schulleitung. In dieser Zeit machte die Friedensschule sehr viel uninationale Arbeit. Wir bekamen zahlreiche Anfragen von Schulen, von Lehrerteams und Schulleitungen, ihnen zu helfen, wie mit der so schwie-rigen politischen Situation umzugehen. Die Hilfe, welche unser Team der Friedensschule geben kann, ist, mit den Lehren arbeiten, um ihnen zu ermöglichen, selber ihre Ängste und Befürchtungen auszusprechen, damit sie danach fähiger werden, den Schülern die Möglichkeit zu geben, sich auszusprechen.

Ausser den Workshops für die Jugendlichen wurden viele Aktivitäten der Friedensschule nach Plan durchgeführt. So fanden in drei Universitäten zwei Semesterkurse statt, der Leiterkurs und der Kurs für Frauen und noch viele andere Aktivitäten, die ich Euch bei anderer Gelegenheit näher beschreiben werde.

In der Primarschule ist es nach meiner Meinung als grosser Erfolg zu bezeichnen, dass in einer so schwierigen politischer Zeit kein einziger Schüler/in die Schule verlassen hat. Die Situation wurde im Lehrerteam besprochen und verarbeitet, damit die Lehrer, nach-dem sie sich selber aussprechen, die Fähigkeit verbessern, den Schülern zuzuhören. Auch über die Schule werde ich Euch bei nächster Gelegenheit mehr erzählen.

Eine sehr gute Nachricht will ich Euch noch vermitteln: Es wurde Neve Shalom/Wahat As-Salam prinzipiell bewilligt, weitere 90 Wohneinheiten auf unserem Boden aufzu-stellen, was uns ermöglicht, die vielen Anfragen von potentiellen Kandidaten nicht absagen zu müssen. Bis wir aber alle nötigen Bewilligungen bekommen werden, wird es noch einige Zeit und viel Arbeit und Geld brauchen.

Hingegen ist leider die Gefahr vom Polizei Elite Veteranendorf, das neben uns entstehen soll, wieder sehr aktuell geworden. Der Wohnbauminister ist bekanntlich nicht genau in unserer Linie und versucht mit allen Mitteln, dieses Projekt zu verwirklichen. Das bereitet uns nicht wenig Sorgen, vor allem weil es als Teil von Neve Shalom/ Wahat As-Salam gebaut werden soll, was für uns eine reine Katastrophe wäre.

Jetzt zum Abschluss noch eine persönliche/Neve Shalom/Wahat As-Salam Nachricht: Die Vollversammlung und das Sekretariat von NS/WAS habe beschlossen, mich als Vertreterin von NS/WAS in der Schweiz und Europa für zwei Jahre in die Schweiz zu schicken. Ich werde in Zürich stationiert sein und von dort aus versuchen, NS/WAS und das Fundraising zu fördern. Jede Hilfe von Euch werde ich sehr willkommen heissen. Unterdessen danke ich Euch für Eure Aufmerksamkeit. Ich werde Euch bald näher und ausführlicher von der Primarschule und der Friedensschule berichten.

Schalom, Salaam

Evi.


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