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No. 21

Juli 2002, von Evi Guggenheim Shbeta

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Liebe FreundInnen in der Schweiz,

„Weißt Du Evi, ist das nicht absurd, aber der einzige Ort, wo ich ganz ruhig und ohne Angst bin, wenn meine Kinder dorthin fahren, ist NS/WS, dort, wo sie doch mit Palästinensern in intimster Begegnung sind. Ist das nicht paradox in dieser Zeit? Das zeigt doch, dass ein friedliches Zusammenleben wirklich möglich ist und auch in grösserem Rahmen sein könnte...“ Diesen Satz sagte mir die Mutter von Mai’s (meine älteste Tochter) Freundin letzthin.

Hätte sich jemand von Euch am 26.Juni zufällig nach NS/WS begeben, nachdem er/sie vorher vielleicht etwas in Israel herumgereist war, wäre es Euch sicher vorgekommen, als wäret Ihr auf einem anderen Planeten gelandet. An diesem Tag wurde bei uns nämlich die traditionelle Schulabschlussfeier unserer Primarschule gefeiert. Wie jedes Jahr gaben die verschiedenen Schulklassen ihre vorher fleissig eingeübten Vorstellungen. Wie bei uns üblich wurde auf der Bühne abwechslungsweise einmal Arabisch, einmal Hebräisch gesprochen, jedes Kind in seiner Muttersprache, die Kinder von NS/WS wechselten manchmal von einer Sprache in die andere. Die Stimmung war friedlich und festlich, die Familien der 320 Schulkinder aus der ganzen Umgebung waren gekommen, um ihre Zöglinge an ihrem grossen Tag zu begleiten.

Was für uns im Dorf und in unserer Schule ein normaler, selbstverständlicher, binationaler, zweisprachiger Alltag ist, erscheint dem auswärtigen Besucher in dieser schwierigen Zeit wirklich wie eine Realität von einem anderen Planeten. In der Tat war dieses Schuljahr auch für unsere Kinder und Familien nicht immer einfach. Der Krieg zwischen Israel und den Palästinensern wird natürlich auch von unseren Kindern und Familien miterlebt. Um den Kindern eine Gelegenheit zur Aussprache ihrer Gefühle und Erlebnisse zu geben, haben wir in der Schule an jedem Morgen eine Stunde „Aktualität“ eingeführt. So hören die Kinder Erlebnisse beider Seiten, wiederum ein Weg, der vermeidet, sich von der jeweils anderen Seite ein Feindbild oder Vorurteile zu bilden.

Ich möchte Euch noch von einer ganz besonderen Aktion, welche wir in den letzten Monaten durchgeführt haben, erzählen: Vor etwa zweieinhalb Monaten bekamen wir aus den palästinensischen, in Cisjordanien liegenden Nachbarsdörfern einen dringenden Hilferuf zur Beschaffung von Lebensmitteln und medizinischer Versorgung, da diese durch die Abgeschlossenheit wegen der langen Besetzung auf gefährliche Weise ungenügend geworden war. Sofort sammelten wir im Dorf und ausserhalb Geld und sandten eine Tonne Zucker und Mehl dorthin. Ausserdem bildeten wir im Dorf ein Spezialteam, um dem Hilferuf nach medizinischer Versorgung nachzukommen. Seither geht fast jedes Wochenende ein medizinisches Team von Ärzten, Pflegern, Apotheker aus NS/WS in die verschiedenen palästinensischen Dörfer, um medizinische Nothilfe zu leisten. Wir haben hier in der Schweiz und in anderen Ländern durch einen dringenden Email-Aufruf Spenden zur Medikamentenbeschaffung gesammelt. Einen genauen Bericht über unser Projekt „Humanitäre Hilfe an die Palästinenser“ könnt Ihr auch auf unserer Webseite www.nswas.com (unter HAP) nachlesen.

Vielleicht habt Ihr durch die Medien erfahren, dass wir im Namen von NS/WS den von der GRA (Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus) und CEVI Schweiz verliehenen ‚Preis der Menschlichkeit’ während einer sehr würdigen Feier an der Expo in Yverdon entgegennehmen durften.

Ich halte diesen Brief bewusst kurz, da Ihr vor nicht allzu langer Zeit den sehr ausführlichen Nachrichtenbrief No 20 (*)erhalten habt. Das Echo auf die bei der Friedensarbeit beobachteten fünf Phasen der Begegnung und die dazu gezogene Parallele zur heutigen politischen Situation war sehr interessiert und positiv. Ich denke, es bringt etwas Perspektive und Hoffnung auf die politisch so verfahren erscheinende Situation in Israel/Palästina. Und wenn wir manchmal die Hoffnung verlieren, dann möchte ich daran erinnern, dass auch in den Begegnungen der Friedensschule die vierte Phase der binationalen Begegnung die längste und im Gefühl der Ausweglosigkeit schwierigste Phase des langen Weges der Konfliktlösung ist. Aber danach schliesst die Phase des echten, anderen Dialogs an, und ich bin überzeugt, dass wir auch auf dem langen Weg der gegenseitigen Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern in die Phase des echten Dialoges und der Konfliktlösung kommen werden. Wenn es uns im kleinen Massstab in NS/WS auch in diesen schweren Zeiten gelingt, Land, Macht, Erziehung und Administration in unserem Dorf zu teilen, wird dies mit der Zeit auch im Grossen gelingen.

Ich möchte diese Gelegenheit benützen, Euch vielen FreundenInnen, die meinem Aufruf nachgekommen sind und mir auf verschiedenste Art und Weise als Türöffner geholfen haben, ganz herzlich danken. Ich bin weiterhin um jede Hilfe dankbar und bin immer noch unter denselben, unten aufgeführten Koordinaten zu erreichen.

Ich danke Euch für Eure uns so wichtige Unterstützung,

Schalom, Salam

Evi.

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