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No.25

September 2004, von Evi Guggenheim Shbeta

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Liebe Freundinnen und Freunde,

Diesen Brief schreibe ich Euch nun wieder aus unserem Neve Shalom/Wahat al Salam, nachdem wir Mitte August unsere dreijährige Mission in der Schweiz beendet haben. Es ist schön, wieder zu Hause in unserem Dorf zu sein.

Diejenigen von Euch, die meinen Nachrichtenbrief schon viele Jahre bekommen, können sich vielleicht daran erinnern, dass ich vor 13 Jahren, als meine älteste Tochter Mai geboren wurde, Euch in ihrem Namen, aus ihrer Perspektive einen Nachrichtenbrief gesendet habe. Nach weiteren 6 Jahren, als sie in die erste Klasse kam, habe ich Euch aus ihrer Sicht als Erstklässlerin einen Nachrichtenbrief geschrieben. Als ich mich hinsetzte, um Euch diesen Brief zu schreiben kam mir plötzlich in den Sinn, dass Mai nun unsere neue hiesige Sekundarschule besucht, von der ich Euch ja im letzten Brief erzählt hatte. Mai kann natürlich nach 3 Jahren Schweiz Deutsch und somit habe ich sie gebeten, ob sie bereit wäre, Euch in ein paar Sätzen von ihrer Schule zu erzählen, was sie auch gerne getan hat (ausser ein paar Kommakorrekturen habe ich nichts geändert):

„Hallo, ich bin Mai, bin 13 Jahre alt und gehe in die Sekundarschule in Neve Shalom/Wahat al Salam. Es ist eine gute Schule und man lernt dort sehr gut, denn die Lehrer und Schüler sind wie eine grosse Familie. In der Klasse sind wir 16 SchülerInnen und wir haben im Ganzen 7 Lehrer, die sehr sympathisch sind.

Unser Klassenzimmer ist nicht gross - es hat gerade Platz für uns, für ein Lavabo und eine Wandtafel. Im Gegensatz zur Schweiz ist es ziemlich klein und armselig. Ich hoffe, dass das sich noch ändern wird. Die Schule ist in einem ganz einfachen Gebäude und wir haben noch keinen richtigen Pausenplatz. Da der Staat unsere Schule nicht gründen und anerkennen wollte, mussten wir die Schule selber bauen, also alles bezahlen und nach Spenden suchen. Es ist ganz wichtig, dass die Kinder in unserem Alter und jünger die gemischt (Araber und Juden) zusammen leben nicht die schwierige Wahl treffen müssen, ob sie in eine arabische oder jüdische Schule gehen sollen. Eure Mai“

Am 1. September haben wir wie jedes Jahr das Schuljahr eröffnet. Wieder kamen nach 2 Monaten Sommerpause über 300 jüdische und palästinensische Kinder gemeinsam in unser Schulwesen, was für uns schon eine Selbstverständlichkeit ist, für das israelische Erziehungs-ministerium jedoch bekanntlich nicht. Der Schulanfang war leider von grossen administrati-ven Schwierigkeiten überschattet: Unsere Schuldirektion, die aus VertreterInnen des Dorfes, der Eltern und unserer Schule besteht hatte, nachdem dieser Posten frei wurde, einstimmig Ety Edlund als jüdische Co-Direktorin bestimmt. Ety ist die Co-Gründerin dieser Primar-schule, hatte diese Schule während 12 Jahren in den Anfängen mitgeleitet und war nach der Ansicht der Schuldirektion die passendste Kandidatin für diesen komplexen Job. Leider hat uns jedoch die Erziehungsdirektion des israelischen Erziehungsministeriums eine andere Direktorin bestimmt, obschon sich das ganze Dorf und die Schule gegen diese von oben herab bestimmte Direktorin wehrten. Es scheint, dass das Erziehungsministerium es damit auf uns „abgesehen hat“, ist doch eine solche Bestimmung von aussen gegen die lokale Schul-direktion alles andere als üblich. Wir haben dagegen ans hohe Gericht appelliert; das Prozedere wurde jedoch vom Gericht gutgeheissen, das Erziehungsministerium aber auch dazu angehalten, eine passende Definition für unsere zweisprachige, binationale Schule zu finden.
Diese Episode zeigt deutlich, dass wir mit unserer Arbeit für eine Erziehung zur friedlichen Koexistenz in einem sehr schwierigen offiziellen Umfeld arbeiten und bei dieser Gratwan-derung mit den offiziellen Behörden immer sehr vorsichtig sein müssen. Ein kleiner Trost ist vielleicht, dass wir in diesen Schwierigkeiten nicht allein sind. Auch die neue Schule die im „Wadi Ara“ nach unserer Modellschule am 1. September eröffnet wurde, konnte erst nach langem Kampf mit den Behörden ihren Betrieb aufnehmen.

Ausserdem geschieht bei uns so viel… und ich würde Euch gerne von allem ganz ausführlich erzählen…dann bekämet Ihr aber einen Roman, anstatt einem Nachrichtenbrief.

Deshalb schreibe ich Euch noch eine paar Ereignisse in telegraphischer Form (wenn Ihr Euch genauer darüber informieren wollt, könnt Ihr auch unsere Webseite www.nswas.com besuchen):
- Die Bewegung 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005 hat im Mai 04 hier in Neve Shalom/Wahat al Salam mit Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot-Mangold, und Christine Menz getagt.

- Die Friedensschule hat im Jahr 03/04 über 600 jüdische und palästinensische Jugendliche in Dialog fördernden Workshops in NSWAS zusammen gebracht.

- StudentInnen aus Israel und aus Palästina treffen sich weiterhin in Workshops in der Friedensschule von NSWAS.

- Besondere Workshops und Kurse für Dialog und zur Förderung von jüdischen und palästinensischen Frauen finden unter der Leitung der Friedensschule statt.

- Das HAP Team von NSWAS (Humanitäre Hilfe für PalästinenserInnen) hilft weiterhin vielen PalästinenserInnen der Westbank zu medizinischer Hilfe zu kommen, die ihnen sonst verweigert würde.

- Auch dieses Jahr führten wir ein gelungenes Sommercamp für 55 jüdische und palästinensische Kinder in NSWAS durch.

- Wir konnten mit Hilfe von unseren treuen FreundInnen zwei Schulbusse und einen Minibus erwerben, mit denen wir die Kinder aus 28 verschiedenen Ortschaften im Umkreis von NSWAS zu uns in die Schule bringen können.

Ja, liebe FreundInnen, einen Roman bekommt Ihr in diesem Brief nicht, aber ein Buch könnt Ihr ab dem 20. September im deutsprachigen Raum im Buchhandel von uns beziehen: „Die Oase des Friedens“ von Evi Guggenheim Shbeta und Eyas Shbeta. An der Frankfurter Buchmesse dürfen wir das Buch vorstellen.

Und hier in NSWAS arbeiten wir trotz allen Schwierigkeiten gemeinsam und unermüdlich für eine friedliche Koexistenz weiter.

Wir danken Euch für Eure Unterstützung,

Shalom, Salam Evi

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