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Zwischeninformation Januar 2009

Montag 2. Februar 2009

Liebe Freunde von Neve Shalom/Wahat al Salam, der Oase des Friedens,

Am Beginn des neuen Jahres, das für uns ungewiss ist und für unsere Freunde in Israel und Palästina mit viel Leid und Bomben und Raketenbeschuss angefangen hat, wünsche ich allen Frieden, Shalom und Salam.

Bitte merken sie sich den Termin der nächsten Jahrestagung vom 30.10.-1.11.2009 in Königswinter!

Zuerst eine dringende Bitte:

Wir bitten Sie um Spenden für jüdisch-arabische Jugendbegegnungen der Friedensschule von Neve Shalom/Wahat al Salam. Sie hat uns mitgeteilt, dass sie im Schuljahr 2008/09 außer den beiden von uns bereits geförderten Begegnungen zwischen jüdischen und arabischen Schulen sonst weiter keine durchführen kann, weil sie aus anderen Freundeskreisen zur Zeit keine Mittel bekommt. Angemeldeten Schulen mußte sie inzwischen schon absagen. Wenn wir bald eine Zusage für die Übernahme eines Programms machen könnten, wäre eine weitere Begegnung für 2 Schulen möglich.

Im November konnten 120 Schüler je einer arabischen und einer jüdischen Oberschule an zwei von uns geförderten dreitägigen Begegnungen teilnehmen. Das erste war zwischen Sachneen und Brenner, das zweite zwischen Der Hana und Ayanot Yarden. Gerade jetzt, wo auf beiden Seiten infolge des schrecklichen Krieges in Gaza und der Raketen auf Südisrael die Lage auch zwischen Juden und Arabern in Israel sehr angespannt ist, ist es sehr wichtig, dass man miteinander spricht. In den von geschulten Facilitatoren (Gesprächsförderern) der Friedensschule betreuten Gruppen geht das am besten. Die sechzehn-siebzehn Jahre alten Schüler sind schon jetzt auf beiden Seiten Meinungsbildner und werden das bald noch mehr sein.

Krieg und Frieden(?) in Gaza

Unter Beteiligung der Friedensschule von Neve Shalom/Wahat al Salam fand am 17.Januar in Jaffa eine Trauer- und Protestkundgebung gegen den Krieg statt. Mehr darüber, u.a. Bilder und Videos der Veranstaltung, finden Sie im Internet http://nswas.org/spip.php?article862 Dabei hat u.a. Shulamit Aloni, Erziehungsministerin in Rabins letztem Kabinett, sehr scharf den Krieg verurteilt. Sie sagte unter anderem „Ich habe gehört, dass Leute sagen: >Wir gaben ihnen den Gaza-Streifen und sieh, wie sie sich verhalten! >Aber zu unserer Schande gaben wir ihnen Gaza nicht, sondern verwandelten den Streifen in ein riesiges Internierungs-Lager mit eineinhalben Millionen Insassen, ohne Ein- und Ausgang. Die das Lager morgens um drei auf dem Weg zur Arbeit verlassen, werden überprüft, als wären sie Sklaven. Personen, die in einem Internierungslager festgehalten werden, haben das Recht darauf zu reagieren. Die Armee nimmt nicht Rücksicht auf Familien, alte Menschen, Frauen und Kinder. Die Öffentlichkeit freut sich, dass wir eine große und starke Armee haben, aber Israel hat inzwischen seine Werte aufgegeben und die Werte seiner Unabhängigkeitserklärung."

Auf der website von Neve Shalom/Wahat al Salam haben Mitglieder der Dorfgemeinschaft ihre Meinung zum Krieg gesagt, auch solche, die wir von unseren Jahrestagungen kennen, wie Evi Guggenheim-Shbeta, Abdessalam Najjar und Maram Masarwi. http://nswas.org/spip.php?rubrique229

Der Gaza-Krieg war für Israel ein völliger Fehlschlag, schreibt Gideon Levy in der israelischen Zeitung Haaretz vom 22.1.2009. Über das moralische Versagen hinaus wurden auch die gestellten Ziele nicht erreicht. Das Ergebnis waren Hunderte von Gräbern, Tausende verletzter Menschen, viel Zerstörung und die Besudlung des Ansehens Israels. Das Anfangsziel war den Raketenbeschuss aus Gaza zu beenden. Aber der hörte erst auf, als beide Seiten einen Waffenstillstand beschlossen. Experten schätzen, dass Hamas noch 1000 Raketen zur Verfügung hat. Auch das Ziel der Abschreckung habe das Gegenteil bewirkt. Die vielen verletzten und toten Kinder, Frauen und Männer und der Verlust der Häuser und des ganzen Eigentums haben den Hass auf Israel in der Zivilbevölkerung stark anwachsen lassen und viele Familien der Hamas zugetrieben, die ihr vorher nicht angehörten.

Aber es gibt auch positive Meldungen:

Wie schon in unserem Begleitbrief zu den Spendenquittungen stand, hat die israelische Zeitung "Yedioth Ahronoth" berichtet, dass 500 Bewohner des Städtchens Sderot, das am meisten unter den Raketen der Hamas gelitten hat, eine Petition unterschrieben haben, in der die Armee aufgefordert wird, ihre Operationen im Gaza-Streifen einzustellen und den Waffenstillstand zu erneuern. Obwohl sie acht Jahre unter Raketenfeuer gelitten haben, glauben sie an eine friedliche Lösung, denn militärische Operationen würden nur den Hass auf beiden Seiten vertiefen.

Haaretz berichtet am 22.1.09, eine 25 jährige Studentin aus dem Sapir-College bei Sderot hat in einer Woche zehn Lastwagen dringend nötiger Versorgungsgüter gesammelt. Sie hörte die Bomben in Gaza explodieren und die Sirenen in Sderot und meinte, sie müsse etwas tun. Ihr wurde klar, dass Menschen getötet wurden, die nichts zu essen und zu trinken hatten, und das verursachte ihr großen Schmerz. Mit einem Freund schrieb sie e-mails und bat darin um Spenden für ihre humanitäre Aktion. Sie hoffte, zwei Lastwagen voll zu bekommen, inzwischen waren es schon zehn mit Kleidern, Decken usw. Auch viel Geld kam, mit dem sie nun Nahrung kaufen kann. Die Jugendorganisation von Shomer Hazair und das griechisch katholische ‚Haus der Gnade’ in Haifa u.a. halfen Gaben zu sammeln. Der direkt neben dem Gazastreifen liegende Kibbutz Kfar Aza, wo viele Raketen eingeschlagen waren, stellte ein Lagerhaus zur Verfügung. Ob die Güter inzwischen schon in Gaza verteilt wurden, haben wir noch nicht erfahren.

West-Eastern Divan

Am 12. Januar 2009 hat das West-Eastern Divan Orchestra, in dem jüdische und arabische Musiker, auch aus Palästina, zusammenspielen, in Berlin unter der Leitung des berühmten israelischen Dirigenten Daniel Barenboim ein Konzert gegeben, an dem u.a. auch Bundespräsident Köhler teilnahm. Dabei wurde eine Erklärung verteilt, aus der wir zitieren:

„Wir, die Mitglieder des West-Eastern Divan Orchestra, sind überzeugt davon, dass es keine militärische Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt gibt. ...Wir stehen für ein Alternativmodell, das auf Gleichheit, Kooperation und Gerechtigkeit für alle beruht.... Seit 10 Jahren ... die Basis, auf der wir .. zum gemeinsamen Musizieren zusammenkommen.

Die Vorgehensweise der israelischen Regierung in Gaza ... ist keine Lösung ... Die Aktionen der Hamas tragen nicht zum Aufbau gegenseitigen Vertrauens bei. Wir missbilligen jedwede Handlung, die zu zivilen Opfern führt.

Wir fordern den sofortigen Verzicht auf jegliche Gewalt ...und gerechte Verhandlungen ... zwischen allen betroffenen Parteien ... Der Waffenstillstand ... kann nicht die Grundlage für die Koexistenz zweier Völker sein, deren Schicksal verbunden ist, sondern lediglich ein Schritt auf dem Weg zur Unabhängigkeit Palästinas und gegenseitiger Anerkennung.

Einen souveränen palästinensischen Staat kann es nur mit Beendigung der Besetzung geben. Den Palästinensern muss die gleiche Freiheit und Unabhängigkeit zugestanden werden, wie sie Israel seit 1948 genießt. .... ein Konflikt zwischen zwei Völkern, die beide tief von ihrem .. Anspruch überzeugt sind, auf demselben Stück Land zu leben. Beide müssen das Recht des anderen darauf akzeptieren. Nach all dem Blutvergießen ist es an der Zeit, eine dauerhafte Lösung für eine Koexistenz zu finden...“

Die Mitglieder des West-Eastern Divan Orchestra.

Brief aus dem Kuratorium

Prälat Dr.Gerhard Boss, Mitglied unseres Kuratoriums, hat der Deutschen Bischofskonferenz geschrieben. Wir zitieren aus der Stellungnahme zur Situation in Gaza:

„Seit rund 60 Jahren haben wir in Deutschland Frieden....Waffengewalt und Blutvergießen vertiefen den Hass und die Feindschaft und regen nur zu neuer Gewalt an....Wir schließen uns ..der Stellungnahme der Patriarchen, Bischöfe und der Leiter der Kirchen in Jerusalem an und fragen: Wo sind die ... Menschen, die andere überzeugen können, dass die vielen offenen Fragen nur in einer Zeit des Friedens.. gelöst werden können? Es ist sicher nicht leicht, ..die Radikalen für einen Gewaltverzicht zu gewinnen. Aber nur wenn die Waffen schweigen, werden sich Möglichkeiten zur Lösung ..zeigen.

In unseren Gottesdiensten wird den Betern der Friede zugesprochen. Wir beten..., dass bald die Zeit kommt, in der Unterhändler miteinander reden und die Waffen schweigen.“

Der mörderische Krieg Israels im Gazastreifen hat außer vielen Toten und massiver Verwüstung nichts gebracht. Dass Israel militärisch stärker ist als die HAMAS hat man schon vorher gewußt. Sie hat aus machtloser Verzweiflung über die totale Einsperrung von 1,5 Millionen Menschen auf engem Raum gemeint, sich mit Schrecken bemerkbar machen zu müssen, und wird dies bald wieder tun, wenn die Besatzung nicht aufhört, denn auch Einsperrung ist Besatzung. "Mit Terroristen redet man nicht" sagt man, aber Begin und Shamir, einst als Terroristen steckbrieflich gesucht, wurden später Ministerpräsidenten in Israel. Mit den Verantwortlichen auf der palästinensischen Seite, auch in Gaza, wird man reden müssen. Ägypten hat so den Waffenstillstand erreicht.

Wir bitten darum, es uns möglich zu machen, dass mehr arabische und jüdische Jugendliche in Israel sich in Seminaren der Friedensschule unter pädagogischer Leitung ernsthaft mit der Krise auseinandersetzen und sich dabei begegnen und kennenlernen können.

Herzlich grüßt

Hermann J.Sieben

Spenden für die Friedensarbeit

Spenden für die Friedensarbeit, die bei Geburtstagen, Hochzeiten aber auch Trauerfällen anstelle von Blumen überwiesen werden, sind sehr willkommen, ebenso Kollekten bei Gottesdiensten.

Konten des Freundeskreises:

Kreissparkasse Köln BLZ 370 502 99, Konto 32000986;
Postgiro Stuttgart, BLZ 600 100 70, Konto 31513-708

Spenden sind steuerlich abzugsfähig

Sie können aber auch eine Spende zur Unterstützung der langfristigen Arbeit der Bruno-Hussar-Stiftung machen:

KSK Kölnbr
BLZ 370 502 99
Konto Nr. 320 122 96

Impressum

Freunde von Neve Shalom/Wahat al Salam e.V.,

Geschäftsstelle:

Sonnenrain 30, 53757 Sankt Augustin,
Fon:02241-331153, Fax: 02241-396549,
e-mail: friedensoase@gmx.de

Redaktion/ Layout: Michael Sieben

Vorstand: Hermann Sieben, Dr.Ulla Philipps-Heck, Karl-Josef Schafmeister, Walter Bohris, Wolfgang Hammerl, Professor Dr.Guido Kirchhoff, Rosemarie zur Nieden.

Kuratorium: Bundesminister Sigmar Gabriel MdB, Bundestagspräsidentin a.D. Professorin Dr. Rita Süßmuth, Ruth-Alice von Bismarck, Prälat Dr. Gerhard Boß, Professor Dr. Micha Brumlik, Professor Dr. Johannes Cremerius, Bischof Dr. Johannes Friedrich, Volkmar Deile, Dr. Hildegard Hamm-Brücher,Botschafter a. D. Dr. Niels Hansen, Oberbürgermeister a. D. Dr. Otmar Hesse, George Khoury, Professor Dr. Hans Küng, Professor Dr. Horst E.Richter, Dr. Helga Timm


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