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Zwischeninformation Juli 2012

Saturday 7 July 2012

Nächtlicher Überfall

Die "Oase des Friedens" wurde in der Nacht zum 8. Juni von rechtsextremistischen jüdischen Störenfrieden überfallen. Am Freitagmorgen entdeckten Dorfbewohner, dass an ihren Autos Reifen zerstochen und die Wagen mit rassistischen Sprüchen wie "Rache für Ulpana", "Kahane hatte Recht" verschmiert waren. Die Extremisten nahmen das Dorf, in dem Juden, Christen und Muslime, alle Staatsbürger Israels, aus eigenem Entschluss zusammenleben, als Bühne für ihren Protest gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts Israels, dass jüdische Siedler die illegal auf privatem Land von Palästinensern errichtete Siedlung Ulpana in der Westbank räumen müssen. Die Drohung "Tod den Arabern!" auf dem Eingang zur Primarschule verängstigt nicht nur die arabischen Schüler und Lehrer.

Als Antwort auf den Überfall und die Hass-Parolen kamen Eltern, Lehrer und Schüler zu einem "Aufwaschtag" zusammen, bei dem sie gemeinsam die Wände der Schule mit farbigen Bildern. Graffitis und Bekenntnissen der Koexistenz bemalten. Zwei palästinensische Künstler, die Abu Noon Brüder aus Ramallah, halfen ihnen dabei. Im Schulhof wurde Musik gemacht und es gab ein Fußballspiel mit jüdischen und arabischen Kindern aus Jerusalem.

Am 13.6.12 fand in der Knesset eine von sechs Mitgliedern unterschiedlicher Fraktionen geforderte Aussprache zu diesen Vorkommnissen statt. Alle waren sich einig, dass dieser Überfall ein gezielter Stich ins Herz der Koexistenz war. Die 54 Familien im Friedensdorf seien ein Beispiel für die Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens.

Als erste Reaktion auf diesen Angriff und zum Ausdruck unserer Verantwortung, die wir für die pädagogischen Projekte im Friedensdorf spüren, haben wir sogleich unsere dritte vierteljährliche Überweisung an die Schule in Höhe von 28.750,- Euro auf den Weg gebracht. Für das vierte Vierteljahr fehlt uns noch das meiste der nötigen Summe. Wir hoffen, Sie helfen uns dabei.

Solidaritätsbesuch in Jaba

Am Samstag, 24.6.12 fuhr eine Delegation von Neve Shalom/Wahat al Salam in das Dorf Jaba bei Ramallah, dessen Moschee bei einem Überfall in Brand gesetzt worden war, um den Dorfbewohnern ihre Solidarität auszudrücken. Durch den nächtlichen Angriff auf den Schule des Friedensdorfes vor kurzem war das Mitgefühl besonders wach. Auch in Jaba hatten die Aggressoren ihre Handschrift mit den gleichen Hassparolen wie an der Schule von Neve Shalom hinterlassen: "Rache für Ulpana, Price Tag". Der Solidaritätsbesuch einer Gruppe von Juden und Arabern aus Israel, die versuchen miteinander in Gleichberechtigung zu leben, machte in Palästina großen Eindruck. Auch das palästinensische Fernsehen berichtete.

Neuer Kunstrasen im Schulhof

Der Schulhof wurde mit einem neuen synthetischen Rasen versehen, der sehr strapazierfähig und wegen der im Vergleich zu einem Grasrasen großen Wasserersparnis auch sehr gut für die Umwelt ist. In Israel wird sehr viel Wasser gerade zum Bewässern von Grünanlagen vergeudet. Den Palästinensern jenseits der Mauern wird dagegen von der Besatzungsmacht nicht ausreichend Wasser für den persönlichen Bedarf zugeteilt.

Unsere Jahrestagung vom 27. - 29. April 2012 in Würzburg,

die sich mit den Entwicklungen in Israel und seinen Nachbarländern beschäftigte, war ein voller Erfolg. Unter dem Thema "Isoliertes Israel?" erhielten wir interessante Einblicke und hörten hervorragende Referenten, u. a. Dr. Reiner Bernstein, Professor Dr. Gert Krell und Rainer Ratmann. Aus der ’Oase des Friedens’ kam Bob Mark, früher Lehrer an der Primarschule, den wir schon bei früheren Jahrestagungen sehr eindrucksvoll erlebt haben. Er berichtete u. a. von seiner jetzigen Tätigkeit an einer arabischen Primarschule in der Nähe von Abu Gosh.

Wechsel in der Leitung der Oase des Friedens

Gideon SuleimaniNeuer Vorsitzender des Gemeinderats ist Gideon Suleimani. Er wurde am 30. Juli 1955 in Jerusalem geboren. Seine Kurdisch sprechenden Eltern stammten aus Urmia im Iran. Er wuchs in Jerusalem auf und studierte Archäologie und Israelische Geschichte an der Universität Tel Aviv. 20 Jahre arbeitete er als Archäologe im Israelischen Amt für das Altertum, besonders im Gebiet, zu dem NSh/WAS gehört. Seit 1996 ist er Mitglied des Dorfes. Nach seinem arabischen Vorgänger Ibrahim Khatib, der nicht mehr kandidierte, hat der Gemeinderat nun wieder einen jüdischen Vorsitzenden, ein Beispiel des Wechsels in der gemeinsamen Verantwortung. Wir berichteten schon über die Ausgrabungen byzantinischer Mosaiken oberhalb der Schule von Lehrer Bob Mark mit seinen Schülern. Gideon hatte dabei die Fachaufsicht.

Peter AlkalekPeter Alkalek ist neuer Vorsitzender des Ausschusses der pädagogischen Einrichtungen. Er wurde am 29.5.2012 gewählt. 1967 in Ramle geboren ging Peter zuerst auf die Terra Santa Grundschule, dann auf die jüdische Oberschule, da es zu der Zeit keine arabische Oberschule in der Stadt gab. Die Ausbildung auf dem Max-Fine-Technik-College war besonders auf den Zwei-Rad-Transport ausgerichtet. Arbeit fand er bei einer Gesellschaft, die Suzuki Motorräder und ähnlich bekannte Produkte importiert. Dort ist er jetzt Inspektor in der Service-Abteilung. Im Fernen Osten und in Europa nahm er an Fortbildungskursen teil. Jüngst hat er ein Training für palästinensische Polizisten im Umgang und der Erhaltung ihrer Suzuki Motorräder geleitet, unterstützt von der UN, der EU und vom italienischen Konsulat. Peter ist mit Yasmin Alkalek verheiratet, die schon lange Lehrerin an der Primarschule von NSH/WAS ist. Beide haben zwei Kinder: der Sohn Amir, 20 Jahre, studiert zurzeit in Freiburg um Arzt zu werden; die Tochter Sivan, 16 Jahre, geht noch auf die Oberschule. Peter besuchte das Friedensdorf zum ersten Mal in seiner Studentenzeit in einer jüdisch-arabischen Dialoggruppe der Ratz (nun Meretz-) Partei bei einem Treffen der Friedensschule. Als Yasmin Lehrerin an der Primarschule wurde, dachten beide daran, im Dorf zu wohnen. Dies geschah dann 2003 zuerst in einem Haus für Kandidaten und dann in ihrem eigenen neuen Haus nahe dem Pluralistischen Zentrum. Peter sagt, der Hauptgrund, sich im Dorf niederzulassen, war ein Gefühl der Nähe und Liebe zur Kommunität und zu ihren Idealen. Während seines Lebens im Dorf hat Peter schon häufig Dienste für die Gemeinschaft übernommen, am meisten im Elternrat der Primarschule. Für seine neue Aufgabe bringt er berufliche Leitungsfähigkeiten mit, die er nun für die pädagogischen Einrichtungen des Dorfes nutzen will. Dabei will er nicht nur mit der Dorfverwaltung, sondern auch mit den Freundeskreisen eng zusammenarbeiten. Bei seiner ersten Rede zu Verabschiedung der Sechstklässler drückte er seine große Hochachtung für die Unterstützung der Schule durch die Freundeskreise aus.

Friedensbibliothek

Um das Nachdenken in Israel über Frieden und Verständigung zu fördern, haben wir zur Fertigstellung der Friedensbibliothek in Neve Shalom/Wahat al Salam 10.000,- € überwiesen, das Ergebnis unserer Sammlungsbemühungen (siehe letzter Rundbrief). 7000,- € stammen von zwei von Verlegern gegründeten Stiftungen, der Luise Rinser und der C.H. Beck Stiftung, 3.000,- € aus Spenden von Vereinsmitgliedern.

Die Friedensbibliothek, die sehr leicht über die Autobahn erreichbar ist, wird nicht nur Studenten der Friedenspädagogik beim Studium nützlich sein, sondern allen, die sich dort mit dem Wert und den Forderungen eines friedlichen Zusammenlebens beschäftigen wollen.

Sommerlager im Friedensdorf

Das Gefühl für Mitmenschlichkeit mit den Palästinensern, die unter Besatzung leiden, wurde auch in der Einladung von palästinensischen Kindern aus Hebron zu einem Sommerlager vom 8.- 12. Juli ausgedrückt. Wir hoffen, dass alle Kinder von der Besatzung dazu die Reisegenehmigung erhalten. Die Einwohner der Stadt Hebron leiden unter den sehr aggressiven Siedlern, die sich mitten in der arabischen Bevölkerung niedergelassen haben. Die Finanzierung des Summercamps hat unsere Bruno-Hussar-Stiftung übernommen, die sich über weitere zusätzliche Unterstützung freuen würde.


Wir wollen uns weiterhin für Frieden und Gleichberechtigung einsetzen und hoffen auf Fortschritte dabei, nicht nur im Nahen Osten.

Wir wünschen Ihnen einen erholsamen Urlaub, fohe Ferien mit schönem Wetter, bei dem Sie Kraft holen können für das neue Arbeits-, Schul- oder überhaupt Lebensjahr.

Ihr

Hermann Sieben

Spenden für die Friedensarbeit

Spenden für die Friedensarbeit, die bei Geburtstagen, Hochzeiten aber auch Trauerfällen anstelle von Blumen überwiesen werden, sind sehr willkommen, ebenso Kollekten bei Gottesdiensten.

Konten des Freundeskreises:

Kreissparkasse Köln BLZ 370 502 99, Konto 32000986;

IBAN DE98 3705 0299 0032 0009 86

Spenden sind steuerlich abzugsfähig

Sie können auch eine Spende zur Unterstützung der Arbeit der Bruno-Hussar-Stiftung machen, auch eine Zustiftung zum Kapital, z. B. im Testament:

KSK Köln, BLZ 370 502 99, Konto Nr. 320 122 96,

IBAN DE84 3705 0299 0032 0122 96

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