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Zwischeninformation - Juni 2016

Montag 6. Juni 2016

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Freunde von Neve Shalom – Wahat al Salam e.V. Zwischeninformation 03.06.2016

Shoah-Gedenktag in Israel – ganz anders

05. Mai 2016 in Israel – Holocaust-Gedenktag. Um 10.00 Uhr stand im ganzen Land das öffentliche Leben still: die Autos auf sämtlichen Straßen, der öffentliche Nahverkehr, die Arbeit in den Büros und Betrieben, der Unterricht in den Kindergärten, Schulen und Hochschulen … Von allen Menschen in Israel wurde erwartet, dass sie innehalten und der Vernichtung der Juden gedenken, die unter der Diktatur der Nazis in Deutschland geschah.

Von allen? In Israel leben ca. 20% Palästinenser mit israelischer Staatsangehörigkeit. Wie sollen bzw. wie können sie sich zu diesem Tag verhalten? Auch sie haben unter den Folgen der Shoah gelitten: ca. 750.000 wurden im Zuge des Unabhängigkeitskrieges 1948/49 zu Vertriebenen; sie verloren große Teile ihres Landes; sie erhalten beträchtlich weniger Förderung vom israelischen Staat als jüdische Staatsbürger; und sie erleben bis heute, dass die israelische Regierung die Juden als Opfer präsentiert, dass sie Israel bis heute als im Jahr 1938 befindlich beschreibt und die eigene ‚Täter‘-Rolle im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ausblendet. Und: Den Nakba-Tag (Tag nach dem Unabhängigkeitstag, an dem sich die Palästinenser an Flucht und Vertreibung 1948/49 erinnern) zu begehen, ist in Israel verboten.

05. Mai 2016 in der Grundschule von Neve Shalom – Wahat al Salam, dem jüdisch-
palästinensischen Friedensdorf an der Grenze zur Westbank – Shoah-Gedenktag: Um 10 Minuten vor 10 strömten die 152 Kinder der Grundschule klassenweise in das große Zelt.

Leise Musik ertönte aus den Lautsprechern: ein 4.-Klässler spielte zusammen mit seinem Musiklehrer eine traurige Melodie auf der Geige. Vorn war eine provisorische Bühne mit Leinwand und schwarz-betuchten Stellwänden an den Seiten errichtet. Die 4-Klässler, welche die Feier miteinander vorbereitet hatten, saßen rechts und links von der Leinwand.

Verhaltene Aufregung und Nachdenklichkeit füllten den Raum. Soweit schien alles zu sein wie anderswo im Land. Doch anschließend erlebten die Delegationen der internationalen Freundeskreise des Dorfes eine ganz besondere Shoah-Zeremonie:

„10 Uhr: Die Sirene heult. Alle stehen still auf und schweigen. Auf der Leinwand erscheint auf Hebräisch und Arabisch das Motto der Feier: „Alles war verboten, und wir haben alles gemacht.“ Immer zwei 4.-Klässler treten zusammen vor und lesen einen Auszug aus dem Tagebuch eines Kindes in ihrer eigenen, der hebräischen oder arabischen Sprache. Stets geht es um etwas, das damals im Ghetto verboten wurde, und wie die Kinder es dann doch getan haben. Die Texte erscheinen jeweils in hebräischer und arabischer Schrift auf der Leinwand,

mit historischen Fotos in der Mitte. – Nach den Texten stellen sich die Kinder paarweise zu einer Choreografie auf. In wechselnden Standbildern zeigen sie zu ruhiger Musik, wie unterschiedlich Menschen bzw. Kinder in einer solchen Situation zueinander stehen können; dass es Ablehnung und Angst geben kann, aber auch Vertrauen und Solidarität. Und es wird sichtbar: Für sie ist Vertrauen und Solidarität Teil ihrer Identität geworden. – Ein ebenfalls mit einfachen Gesten gestaltetes Gebet beendet die Zeremonie. Die Kinder gehen klassenweise wieder zurück in das Schulgebäude und in den Unterricht.“

Kaum zu glauben? Doch, diese Feier hat genauso stattgefunden und sie ist Teil der Pädagogik der Grundschule von Neve Shalom-Wahat al Salam, wo Juden und Palästinenser gleichberechtigt miteinander leben. Dies beinhaltet auch, bereits in der Grundschule speziell die nationalen Gedenktage des jeweils anderen Volkes zu respektieren und als ebenso legitim anzuerkennen wie die eigenen, so schwer es auch fallen mag.

Sie als Freunde des Dorfes wissen: Die Grundschule von NSh-WaS erhält vom Staat nur sehr wenig finanzielle Unterstützung – sie passt nicht ins nationale Konzept. Die Eltern in den umliegenden Ortschaften müssen Schulgeld bezahlen sowie die Transportkosten für die Kinder. (Transportkosten zahlt der Staat nur bis zur nächstgelegenen oder einer als ‚Regionalschule‘ anerkannte Schule – ein Status, den diese Schule angesichts der politischen Verhältnisse nicht erhält.) Bislang hat der Erwerb von Bussen, die der regionalen Schulbehörde gegen Verrechnung der Transportkosten zur Verfügung gestellt werden, diese drückenden Kosten gesenkt. Nach spätestens acht Jahren muss ein solcher Bus aber ausgemustert werden.

Auch jetzt ist es wieder soweit; zwei Busse mussten ausgemustert werden. Ein neuer Bus erspart der Schule acht Jahre lang Schulden von ca. 60.000€ pro Jahr. Die deutschen Freunde von Neve Shalom-Wahat bitten Sie um Unterstützung, damit zumindest ein neuer Bus gekauft werden kann (Kaufpreis für einen 53-Sitze-Bus: 243.000€). Gut ein Drittel für einen solchen Bus ist bislang zusammen gekommen; je länger es noch bis zum Kauf dauert, desto stärker steigen die Schulden der Schule bei der Regionalbehörde. Ihre Spende kann hier helfen. Sie ist keine Eintagsfliege; sie wirkt acht Jahre lang.

Spendenkonto: Freunde von Neve Shalom – Wahat al Salam e.V., Kreissparkasse Limburg, IBAN: DE68 5115 0018 0000 0375 56, Verwendungszweck: Bus Grundschule

Ulla Philipps-Heck


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